Autor Wątek: [Bild] »Ich war nur vierte Wahl  (Przeczytany 1254 razy)

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« Odpowiedź #15 dnia: Wrzesień 25, 2019, 03:10 »
ESA mourns passing of first German cosmonaut
23 September 2019 [ESA]


Sigmund Jähn

We are sad to learn of the passing German cosmonaut Sigmund Jähn on 21 September in Strausberg, Germany, at the age of 82.

As a former GDR citizen, Sigmund trained as a cosmonaut in the Soviet Union from 1976 to 1978. On 26 August 1978, he flew on Soyuz 31 to the Russian Salyut 6 space station, before returning to Earth on 3 September 1978. Throughout the years he was a role model for adults as well as children and young people.

Sigmund worked as a freelance consultant for the German Aerospace Center (DLR), and later for ESA, where he supervised European astronauts at ‘Star City’, the Gagarin Cosmonaut Training Center, near Moscow, from 1990 to 2002.

ESA astronaut Thomas Reiter was among those astronauts and reflected on the time they spent together. "I remember the walks Sigmund and I took together in Star City. I will always keep his friendship and his enthusiasm for our common cause, space travel, in good memory. All the best up there, dear Sigmund,” said Thomas.

Sigmund was a founding member of the Association of Space Explorers (ASE) in 1985. Every year, astronauts and cosmonauts met in different parts of the world to share their experiences. For many astronauts, Sigmund was a role model, especially for ESA astronauts.

Frank De Winne, Head of the European Astronaut Centre in Cologne, Germany, said, “I personally had the pleasure to have the great support of Sigmund in Star City for my first mission. I will always remember him as a great, humble, warm person. The astronaut community has lost a great friend.”

ESA Director General Jan Wörner paid a special tribute, saying, “The news of Sigmund Jähn's passing has touched me deeply. Whenever we met, it was very personal and we formed a friendship that extended beyond space travel and his unwavering support of European astronauts. I am deeply grateful to have met him and I will not forget him. Thank you, Sigmund.”


Source: https://www.esa.int/Our_Activities/Human_and_Robotic_Exploration/ESA_mourns_passing_of_first_German_cosmonaut

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« Odpowiedź #16 dnia: Wrzesień 25, 2019, 03:37 »
Sigmund Jähn Er war der einzige Held, auf den sich alle einigen konnten
Von  BLZ-Kolumnen-Rennefanz-KreisSabine Rennefanz 24.09.19, 09:48 Uh [Berliner Zeitung]


Sigmund Jähn in der Schwerelosigkeit an Bord der Raumstation Saljut 6.  Foto: ullstein/ADN-Bildarchiv

Es gibt ein, zwei untrügliche Zeichen, die die Herkunft eines Menschen verraten. Wer in der DDR groß geworden ist, kann das Lied „Immer lebe die Sonne“ auf Russisch singen: „Pust swegda budjet mama, pust swegda budu ja.“ Und wer in der DDR groß geworden ist, kennt Sigmund Jähn.

Ich hatte erst am Montagmorgen im Radio gehört, dass er am Wochenende gestorben war. Ich war geschockt.

„Der Kosmonaut Sigmund Jähn ist tot“, sagte ich am Frühstückstisch, der erste Deutsche im All. Keine Reaktion.

„Er wohnte ganz in der Nähe, in Brandenburg“, fügte ich hinzu, als wäre das von Bedeutung.

„Neil Armstrong ist tot?“, fragte der Fünfjährige, jetzt langsam interessiert. Im August hatte es in seiner Kita eine Projektwoche zum Thema Kosmos gegeben, Anlass war das fünfzigste Jubiläum der Mondlandung. Seitdem kann er fehlerfrei die Namen Neil Armstrong sowie Buzz Aldrin aussprechen. Und er kennt die Aufnahmen von der Mondlandung. Den Namen Sigmund Jähn hatte er vergessen, Jähn war ja auch nicht auf dem Mond.


Auf Sigmund Jähn konnte man stolz sein, selbst wenn man mit der DDR nicht viel am Hut hatte

Mein Mann wusste ein wenig mehr: „Ist das nicht der, der mit den Russen im All war und der dann vergessen wurde, weil er auf der falschen Seite stand?“ Gar nicht schlecht für einen Briten.

Sigmund Jähn startete am 26. August 1978 vom Weltraumbahnhof Baikanur mit dem sowjetischen Kommandanten Waleri Bykowski in der Rakete vom Typ Sojus ins All. Sie verbrachten eine Woche lang an Bord der Raumstation Saljut 6 und umkreisten die Erde 125-mal. Jähn machte zur Erderkundung Fotos mit der damals modernen Multispektralkamera MKF 6 und außerdem Experimente zur Kristallzüchtung.

1978 war die Euphorie der Anfangsjahre über den Aufbau des Sozialismus vorbei, zehn Jahre zuvor war der Aufstand in Prag niedergeschlagen worden, zwei Jahre zuvor war der Liedermacher Wolfgang Biermann ausgebürgert worden. Es gab nicht mehr viel, auf das man in der DDR stolz sein konnte. Auf Sigmund Jähn konnte man stolz sein, selbst wenn man mit der DDR nicht viel am Hut hatte. Womöglich war er der einzige Held, auf den sich alle einigen konnten. Das hatte auch etwas mit seinem unprätentiösen und eher stillen Auftreten zu tun.


Neue-Deutschland-Schlagzeile: „Erster Deutscher im All ein Bürger der DDR“

Natürlich wurde seine Weltraumfahrt für die Propaganda genutzt, den Wettkampf der Systeme. Am 27. August 1978 erschien das Neue Deutschland mit einer in Rot gedruckten fetten Schlagzeile: „Erster Deutscher im All ein Bürger der DDR“. Und das, obwohl das Wort Deutscher sonst nicht benutzt wurde. „Trittbrettfahrer und Mitesser in der Russenrakete“, schrieb wiederum die westdeutsche Presse. Der Osten durfte nicht gewinnen. Der erste Westdeutsche im All war Ulf Merbold, er flog 1983 mit einem Space Shuttle.

Ich habe keine persönlichen Erinnerungen an den Sommer 1978. Ich war damals, als Sigmund Jähn ins All flog, nur ein bisschen jünger als mein Sohn heute. Aber die Worte Morgenröthe-Rautenkranz, Weltraumbahnhof Baikonur, Sternenstädtchen Moskau, die prägten sich ein. Sie klangen verheißungsvoll, nach weiter Ferne, abenteuerlich, nach einer besseren Zukunft. Die DDR war ein kleines Land, in dem man gut von der Ferne träumen konnte.

Im Wohnzimmer lag der Bildband „Weltall Erde Mensch“, mein Vater guckte „Star Trek“ mit Captain Kirk und Mister Spock, und ich sah das Sandmännchen, das mit der Rakete losfliegt. Später würde ich bei Frau Schneider in der Schule Astronomie lernen. Ab der zehnten Klasse war Astronomie in den DDR-Schulen Pflichtfach, schon seit 1959. Nach der Wiedervereinigung wurde der Unterricht aber in vielen Schulen abgeschafft und im Westen nicht übernommen.


Sigmund Jähn erlebte den Sozialismus als eine Chance zum Aufstieg

In meiner kindlichen Vorstellung vermischte sich damals alles, Captain Kirk und Sigmund Jähn hockten einträchtig nebeneinander. Walentina Tereschkowa, die erste Frau im All, bewies, dass Mädchen überall hinkommen können. Captain Kirk, Sigmund Jähn und Walentina Tereschkowa waren in meinem Kopf keine Feinde, Repräsentanten verschiedener Systeme, wie ich erst später hören würde, sondern zusammen unterwegs, um etwas Großes zu erreichen.

Es schien, als sei es nur eine Frage der Zeit, bis alle, sogar wir – Mutti, Papa und ich – ins Weltall reisen würden. Wir würden Raumschiffe mit einer Selbstverständlichkeit nutzen, mit der man damals Zug fuhr. Wen scherte es, dass man nicht nach West-Berlin reisen konnte, wenn man ins Weltall kam?

In Morgenröthe-Rautenkranz, einer Kleinstadt in Sachsen, wurde Sigmund Jähn am 13. Februar 1937 geboren, sein Vater arbeitete im Sägewerk, seine Mutter war Hausfrau. Sigmund Jähn gehörte zu der Generation, die den Sozialismus nach dem Zweiten Weltkrieg als eine Erlösung erlebte, als eine Chance zum Aufstieg.

Er lernte Buchdrucker, ging zur Nationalen Volksarmee, wurde Jagdflieger, Genosse der SED. 1976 wurde er als einer von vier Kandidaten für den Weltraumflug ausgesucht. Nach seiner Rückkehr aus dem All wurde er als „Held der DDR“ und als „Held der Sowjetunion“ ausgezeichnet, Schulen und Kindergärten erhielten seinen Namen.

Nach der Wende wurde es stiller um ihn, er bekam mit der Hilfe von Ulf Merbold einen Job als Berater des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt und der Esa in Russland. Seit einigen Jahren lebte er zurückgezogen in Strausberg.

Dass er der DDR sehr viel zu verdanken habe, hat er immer wieder gesagt, auch noch nach dem Untergang des Staates, an den er geglaubt hatte. Zuletzt wiederholte er das bei einem Treffen mit der Journalistin Jana Hensel im vergangenen Jahr. „Im Westen hätte ich nie Kosmonaut werden können, meine Eltern waren einfache Leute“, wird er zitiert.


Sigmund Jähn selbst bedeuteten Zeichen der Anerkennung nicht so viel wie anderen

Jana Hensel geht in ihrem Text für Zeit online der Frage nach, warum Sigmund Jähn kein gesamtdeutscher Held geworden ist. Wie so viele Namen und Ereignisse aus der Geschichtsschreibung nach 1990 verschwunden und vergessen sind, verschwand auch Jähn. Als sich im vergangenen Jahr sein Weltraumflug zum vierzigsten Mal jährte, bekam er kein Glückwunsch-Telegramm der Kanzlerin. Und auch kein Zeichen der Anerkennung von der Bundeswehr. Die sah sich nicht zuständig, hatte nach 1990 nur wenige NVA-Soldaten übernommen, nicht die oberen Dienstgrade.

Sigmund Jähn selbst bedeuteten diese Zeichen der Anerkennung offenbar nicht so viel wie anderen. Er habe einmal in seinem Leben erlebt, wie die Schilder mit seinem Namen über Nacht abgehängt wurden, nun müsse er sich am Ende seines Lebens nicht noch mal anschauen, wie sie wieder aufgehängt werden. So zitierte ihn Jana Hensel. Das klang ziemlich abgeklärt. Als müsse er sich nichts beweisen. Die Anerkennung von seinen Kollegen Ulf Merbold und Alexander Gerst, den beiden anderen Deutschen im All, schien Jähn wichtiger zu sein.


Sigmund Jähn hat die Erde mit einer weiteren Perspektive gesehen

In den Nachrufen, die seit dem Bekanntwerden seines Todes erschienen sind, ist von Herablassung oder mangelndem Respekt allerdings nichts zu spüren. Spiegel online würdigt ihn als ersten Deutschen im All, die Tagesschau lobt ihn als „Raumfahrt-Pionier“. Sogar das Auswärtige Amt meldet sich auf Twitter zu Wort: „Die Nachricht vom Tod Sigmund Jähns versetzt uns in tiefe Trauer. Er war nicht nur der erste Deutsche im All, sondern auch ein echter Pionier der Raumfahrt.“ Vielleicht hat sich dreißig Jahre nach dem Mauerfall doch etwas geändert. Vielleicht hat sich aber auch der Blick auf die Raumfahrt geändert.

Wenn ich heute die Bilder von Sigmund Jähn im Kosmonauten-Anzug sehe, dann sehe ich dort nicht den Wettkampf der Systeme. Ich sehe etwas, was größer ist als Ost und West. Sigmund Jähn hat die Erde mit einer weiteren Perspektive gesehen, von außen, in ihrer ganzen Verletzlichkeit. „Territorium der DDR war während des Fluges nicht auszumachen“, schrieb er in dem Bericht, in dem er alles Erlebte minuziös protokollierte. Das sagt eigentlich alles. Die DDR, die BRD, was war das schon? Die Grenzen, das Trennende verschwanden mit größerem Abstand.

Ich sehe die Bilder und sehe aber auch eine Zeit, in der die Raumfahrt einen Optimismus symbolisierte, den ich heute nicht mehr sehe. Wer will heute noch ins All? Hat die Raumfahrt noch diese revolutionierende, mobilisierende Kraft wie vor 40 Jahren?


Heute glaubt kaum jemand mehr, dass künftig alles besser wird

Es war eine Zeit, in der man an den Fortschritt glaubte, die Macht der Wissenschaft und die Kraft des Menschen. Es gab weniger Angst vor der Zukunft, so scheint es mir im Rückblick. Trotz des Kalten Krieges. Wenn die Menschen das Weltall erobern können, so der Gedanke, dann kann es nicht mehr lange dauern, bis sie auch unten, auf der Erde, die Probleme lösen, Krieg, Hunger und Not abschaffen. Von dieser Zukunfts-Zugewandtheit ist heute wenig zu spüren, daran erinnert mich der Tod von Sigmund Jähn auch. War früher die Zukunft besser, um mit dem klugen Karl Valentin zu sprechen?

Heute glaubt kaum jemand mehr, dass künftig alles besser wird, man kämpft eher darum, dass es nicht schlechter wird. Es geht darum, den Planeten, den Sigmund Jähn von außen bewundern und umrunden durfte, zu retten.


Ursprung: https://www.berliner-zeitung.de/berlin/sigmund-jaehn-er-war-der-einzige-held--auf-den-sich-alle-einigen-konnten-33212658